Ophéa von Azahra (Die Braut des Drachen) ================================================================================ Kapitel 2: 2.Kapitel -------------------- Marius ging auf Arion zu. Er brodelte vor Zorn. »Hey! Seht mich an, Elb!« Arion wandte sich von Ophéa ab und sah den Menschenmann arrogant an. »Ja, mein Herr?,« »Ihr werdet meine Sklavin nicht mitnehmen! Sie ist sehr viel Wert. Ihr werdet den Preis sicher niemals bezahlen können.« Marius grinste überheblich und verschränkte die Arme vor der Brust. Der Gutsherr rechnete nicht damit, dass der Elb so viel Gold dabei hatte. Doch sein Plan ging nicht auf. Arion zog wortlos einen Beutel voll Geld hervor, und warf ihn dem Mann vor die Füße. »Hier. Das müsste reichen. Ich habe mich über die Preise informiert. Mein Herr ließ noch ein paar extra Stücke Gold hinzufügen, damit es noch für ein Pferd genügt.« Marius, Odette und Armin starrten den Elb an. Ophéa war ebenfalls wie erstarrte. Der dicke Mann hob den Beutel auf und öffnete diesen. Seine Augen schrumpften und sein Kiefer begann unaufhörlich zu zittern. »Odette! Bring Stella her.« Die ältere Frau sah ihren Mann entsetzt an.Sie widersprach aber nicht und ging in Richtung Stall. Nach wenigen Minuten kam sie zurück, mit einem Pferd, das gesattelt war. Sie stellte die Stute neben Marius ab. Diese schnaubte und scharrte mit den Hufen. Ophéa kannte Stella. Es war das teuerste Pferd auf dem Hof. Soweit sie wusste, war Stella mehr als hundert Goldstücke wert. Das Fell der Stute war schneeweiße und immer Sonnenlicht sah es aus, als wäre es aus Silber. »Gib sie dem Elb«, forderte Marius nun von ihr. Zögerlich tat Odette dies. Arion nickte dankend und gab die Zügel des Pferdes an Ophéa weiter. Die junge Elbin verstand die Welt nicht mehr. Der Gutsherr ging nun auf Ophéa zu. »Ich lasse dich frei, auch wenn es mir nicht passt. Das Geld dieses Herren ist genug Entschädigung für all die Jahre, die du mir gekostet hast.« Er spuckte Ophéa vor die Füße. »Und jetzt geht. Alle beide!« Dies ließ sich Arion nicht zweimal sagen. Der Elb stieg in den Sattel seines Rappen. Er warf der Elbin einen ungeduldigen Blick zu. »Aber, ich habe doch gar nicht dabei. Weder Kleidung, noch etwas zu essen!«, protestierte die Achtzehnjährige nun stur und Armin stellte sich neben sie. Der junge Soldat sah den fremden Elb herausfordernd an. »Ich habe dafür schon vorgesorgt.« Arion zeigte auf Stella. »Und jetzt steigt bitte auf, Ophéa.« Die Elbin sah Armin flehend. Doch dieser schüttelte den Kopf. »Ich kann leider nichts tun«, flüsterte er ihr und sie sah ihn an, dass diese plötzliche Trennung ihm sehr naheging. Ophéa traten Tränen in die Augen. Sie umarmte Armin und drückte sich an ihm. Marius sog scharf die Luft ein. Doch bevor er sich erneut aufregen konnte, warf seine Frau ihm einen bösen Blick zu. »Ich werde dich nie vergessen, Ophéa. Du wirst immer wie eine kleine Schwester für mich sein. Das kannst du mir glauben.« »Sag deinem Bruder einen schönen Gruß von mir, wenn er wieder da ist, ja? Und das ich ihn genau so lieb habe wie dich. Versprichst du mir das?«, flüsterte sie ihm leise. Ihre Stimme versagte immer mehr und mehr. Ihre Tränen sickerten in Armins Wams. »Ja. Ich werde es ihm ausrichten.« Armin gab Ophéa einen kurzen Kuss auf die Stirn, bevor sie sich von ihm löste. Die Achtzehnjährige ging auf Odette zu und umarmte diese kurz. »Danke für alles.« Die Frau nickte gefasst. Ophéa ahnte, dass die Trennung ihr genauso weh tat wie Armin, doch Odette verstand es gut, ihre Gefühle hinter einer Maske zu verbergen. Dann sah Ophéa Marius an. Ihre Traurigkeit war mit einem Fall verflogen. In ihren blaugrünen Augen loderte nun tiefster Verachtung auf. »Ihr seid ein böser, grausamer Mensch, der nur an sich denkt, und der andere seiner Art als unwürdig ansieht! Ihr seid ein erbärmlicher Mann, der sich hinter seinem Reichtum versteckt, anstatt sich Problemen zu stellen. Seit zehn Jahren war ich Euer Eigentum. Es tut gut, endlich dies tun zu können, ohne Schläge von Euch zu erwarten.« Ophéa spuckte ihn vor die Füße. »Ich habe Euch die ganze Zeit gehasst und ich bin froh nie wieder in Euer fettes Gesicht sehen zu müssen!« Der Gutsherr sah sie fassungslos an, bevor sein Gesicht sich zu einer hasserfüllten Grimasse wurde und er auf Ophéa losging. Doch bevor der Mann sie auch nur berühren konnte, war Arion da. Der Elb hatte sich vor die Elbin gestellt und fing sich die Ohrfeige ein, die der ehemaligen Sklavin gegolten hatte. Marius wirkte erschrocken und verwirrt, als er sah, dass er Arion geschlagen hatte. Die Augen des Elben wirkten ausdruckslos. »Ophéa ist frei. Ihr habt kein Recht mehr an; das heißt wenn ihr die Hand gegen sie erhebt dann erhebt er sie gegen mich und meinen Meister.« Der Mensch wich sofort von Arion zurück. Der Elb sah ihn immer noch ausdruckslos an, als er nach seinem Schwertgriff. „H…Herr Elb, dies war keine Absicht. Ihr müsst wissen, dass mich diese Missge… äh, dieses wunderbare Geschöpf mich über viele Jahre hinweg in den Wahnsinn getrieben hat. Daher ist mein Geduldsfaden ein wenig zu kurz geraten«, versuchte sich Marius herauszureden, doch Arion ging weiter bedrohlich auf ihm zu. »Armin, hilf mir!«, zischte Marius seinem Sohn zu, doch dieser machte sich nicht die Mühe ihm zu helfen. Armin schüttelte den Kopf. »Tut mir leid, Vater. Aber das hast du dir selbst eingebrockt.« Marius wollte sich noch einmal an Arion wenden, um mit ihn zu reden, doch dem Elb war nicht danach. Er schwang sein Schwert auf Marius zu. Der Ältere duckte sich; obwohl dies gar nicht nötig gewesen wäre. Arion dachte nicht daran, Marius zu verletzen; seine Klinge war ihm dafür viel zu schade. Doch der vorgetäuschte Angriff zeigte Wirkung: Marius fiel auf dem Hosenboden und bleib dort unbeholfen liegen. Schweiß stand auf seiner Stirn und Marius atmete schwer. Armin verkniff sich ein Grinsen, als er seinem Vater so sah. Er fand es sehr amüsant. »Steig auf das Pferd, Ophéa.« Arion sagte dies in einem ruhigen Tonfall zu ihr. Die Elbin stieg zögerlich in Stellas Sattel und betrachtete die Szene ungewiss. Arion legte sein Schwert beiseite und stieg ebenfalls in den Sattel seines Pferdes. „Ich hoffe, dies war Euch eine Lehre, Meister Marius.“ Dann wandte er sein Pferd und ritt davon. Ophéa winkte Armin und Odette schwach zu. Marius saß immer noch auf dem Boden. Sein Blick war fest auf seine Schuhe gerichtet. »Macht´s gut. Ich wünsche euch beiden noch ein schönes Leben.« Ein letztes Mal lächelte Ophéa Armin an, dann folgte sie Arion in ein ungewisses, neues Leben, das gen Süden führte. 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