Mein kleines Hündchen von NekoBastet (Als Junge geboren, zum Haustier erkoren...) ================================================================================ Kapitel 10: Liebe geht durch den Magen -------------------------------------- Der Tag zog sich. Wie konnte Schule in so kurzer Zeit schon wieder dermaßen nervig sein? Endlich ertönte das langersehnte Klingeln, dass die Mittagspause einläutete. Tief durchatmend lehnte Yuuki sich in seinem Stuhl zurück und starrte die Decke an. „Ich dachte, das hört gar nicht mehr auf.“, klagte er, als Ada-chan und Riku-chan zu ihm kamen. Die Mädchen kicherten nur. Immerhin, er amüsierte sie. Eigentlich hatte Yuuki die Schule nie wirklich als nervig empfunden. Manchmal mochte er den Unterricht sogar, aber er wollte nicht so wirken, wie der letzte Streber. Also hatte er sich dafür entschieden, den faulen Rebell darzustellen. Seine Maske kam gut an und in gewisser Hinsicht gefiel es ihm auch, locker über den Unterricht zu lästern. Vielleicht tat ihm seine Entscheidung zur Typ-veränderung doch ganz gut. Immerhin kam er mit seiner Rebellen-Nummer gut bei den Mädchen an. „Übrigens!“, rief Ada-chan plötzlich freundig aus. „Weil wir wussten, dass du heute wieder zur Schule kommst, haben Riku-chan und ich uns Lunch für die Mittagspause vorbereitet.“ Sie lief zurück zu ihrem Platz und brachte eine große Plastiktüte zu Yuuki. Die war ihm vorhin schon aufgefallen und er hatte sich schon gefragt, was sie da mit sich herumschleppte. „Wir haben wahrscheinlich viel zu viel gemacht, also können wir auch Shin und Yori fragen, ob sie mitessen wollen.“ Schnell zückte Ada-chan ihr Handy hervor und schrieb den beiden Jungs eine Nachricht. „Bis die beiden antworten, können wir ja schon mal auf das Dach hier gehen. Da ist fast nie jemand.“ Gut gelaunt stimmte Yuuki zu. Er wollte es sich eigentlich nicht eingestehen, aber er hatte dieses friedliche, freundschaftliche Zusammenleben vermisst. Früher, an seiner alten Schule, waren sie auch so manches mal gemeinsam essen gegangen, aber nie hatte sich dort jemand die Mühe gemacht, ausgerechnet ihm etwas mitzubringen. Überhaupt war er damals mehr ein unsichtbarer Mitläufer gewesen. Yuuki kämpfte dagegen an, rot zu werden, als er weiter über das Essen nachdachte. Inzwischen hatte auch er realisiert, dass zwei wirklich süße, noch dazu hübsche Mädchen ihm als Willkommensgeschenk Essen zubereitet hatten. Er hatte kaum das Gefühl, dass er das verdient hatte, aber es schmeichelte ihm sehr. Als er aufsah, erkannte er, dass Riku-chan ihren Kopf gesenkt hielt und ihr Gesicht unter den langen Locken verbarg. Ganz offensichtlich war es auch ihr etwas peinlich, dass Ada-chan frei heraus verraten hatte, dass das Essen von ihnen beiden war. Der Junge gab sich schließlich einen Ruck und stand auf. Lässig legte er seinen beiden Freundinnen jeweils einen Arm um die Schultern und zog sie zu sich ran. „Ihr seid echt die Besten. Dankeschön.“, sagte er und grinste. Innerlich starb er. Vor Scham, vor Unwohlsein wegen der Nähe zu seinen Freundinnen, vor Nervosität. Dieses Verhalten war eigentlich überhaupt nicht typisch für ihn, den sonst so schüchternen, ruhigen, kleinen Kerl, den nie einer ernst genommen hatte. Alles für die Maske, oder? Er hatte einfach nicht zusehen können, wie Riku-chan wohl noch mehr im Erdboden versank, als er. Und tatsächlich tat es gleichzeitig auch gut, seine Dankbarkeit auf diese Weise auszudrücken. Für ihn war so ein selbstgemachtes Essen schließlich eine Premiere. Und wahrscheinlich einzigartig, wenn er nicht die coole, lässige Fassade aufrecht erhalten konnte. Während er die beiden kichernden Mädchen losließ und sie gemeinsam aufs Dach gingen, versank Yuuki in Gedanken. Was würde passieren, wenn er es eines Tages nicht mehr schaffen würde, sein altes Selbst zu verstecken? Würden sie ihn meiden, ihn vergessen? Oder wären sie sauer, weil er ihnen jemanden vorgespielt hatte, der er nicht war? Diese Möglichkeiten machten den Jungen nervös. Er musste alles dafür tun, dass ihm kein Fehltritt passieren würde. Kopf hoch, freches Grinsen aufsetzen, Witze reißen. Vielleicht ein bisschen flirten und sich locker geben. Sein Konzept war perfekt geplant. In der freien Zeit zwischen beiden Schulen hatte er sich eine Liste gemacht mit Eigenschaften, die er in Zukunft repräsentieren wollte. Natürlich hatte er nicht vor, sich vollkommen zu verstellen. Schon immer war er ein respektvoller, einfühlsamer Mensch gewesen und das waren Dinge, die er sich bewahren wollte. Nur seine Gabe, in der Masse unterzugehen und sich herumkommandieren zu lassen, wollte er verbannen. Zumindest in seinem Klassenverband gelang ihm das auch ganz gut, stellte er fest, als er die beiden Mädchen beobachtete, während sie vor ihm die Treppen hochgingen. Wenn er nur ein oder zwei Stufen weiter unten gehen würde, könnte er ihnen unter die Uniform-Röcke schielen. Innerlich schauderte er vor diesem Gedanken und sorgte dafür, dass er ein paar Stufen aufholte. So einer wollte er dann doch auch nicht werden. Überhaupt hatte er nie verstanden, was daran so toll sein sollte, Mädchen unter den Rock zu schielen, aber vielleicht wurde das auch dadurch beeinflusst, dass er Mädchen eben nicht ganz so interessant fand. Sicher, er mochte sie! Sie verhielten sich einfach besser, waren nicht so aufmüpfig und derbe, wie so einige seiner männlichen Mitschüler. Wenn sie lachten, klang es (für gewöhnlich) mehr nach Vogelgezwitscher, während Jungs so lachten, als ob sie mit irgendeiner Eroberung angeben wollten. Mädchen hatte er charakterlich schon immer mehr gemocht, weil sie oft eine vorsichtige, unschuldige, sanfte Aura hatten, die ihn beruhigte. Vollkommen anders als die Kerle, mit denen er bisher Umgang hatte. Aber trotz allem konnte er diese Faszination für den weiblichen Körper einfach nicht teilen. Wieso wollte man unbedingt sehen, welche Unterwäsche sie trugen, welches Shirt unter der Uniform und... Argh! Bloß nicht daran denken, er würde es ja eh nicht verstehen können. Vielleicht sollte er mal Shin und Yori fragen? Lieber nicht. Die starren ihn dann wahrscheinlich an, als wäre er ein Außerirdischer. Besser, er behielt seine Meinung einfach für sich. Ada-chan klatschte freudig in die Hände und schob die Eisentür zum Dach des Gebäudes auf. „Wir sind endlich da!“, rief sie. Yuuki kam das gerade recht. Er schob seine Gedanken bei Seite, sah auf und wurde von hellem Licht geblendet. Unweigerlich schirmte er die Augen ab, als sie hinaustraten auf das weite, flache Dach, dessen Boden mit weißen Fiesen bedeckt war. „Hier hat man ja Platz.“, stellte Yuuki beeindruckt fest. Von unten hatte das Gebäude schon groß gewirkt, aber ein so weitläufiges Dach hatte er kaum erwartet. Die Ränder des Daches waren mit zwei Reihen hoher Zäune versperrt. Wahrscheinlich 'für den Fall der Fälle'. Sicherheit ging eben vor, aber selbst die Zäune störten die Gesamtwirkung nicht. Von diesem Gebäude aus konnte man sicher das gesamte Schulgelände überblicken, wenn man nah genug am Rand stand. Yuuki hielt sich von den Zäunen aber lieber fern. „Ich mag es auch hier.“, gab Riku-chan leise zu. Sie hielt sich am Rockzipfel von Ada-chan fest und ließ sich mitziehen, als ihre Freundin weiter aufs Dach ging. „Es ist doch wirklich wundervoll hier.“, stimmte sie Riku-chan zu. Die Freunde setzten sich in den Schatten hinter den Hausblock, der zurück ins Treppenhaus führte. Ada-chan packte all die Leckereien aus. Yuuki staunte nicht schlecht, als er die Vielfalt an Essen sah, die diese beiden süßen Mädchen gezaubert hatten. „Das muss unglaublich viel Arbeit gewesen sein.“, bemerkte er anerkennend. Als Antwort zuckte Riku-chan mit den Schultern und wurde wieder rot, wobei Ada-chan Yuuki in die Seite stupste. „Wenn du nachher nicht nur noch zum Bio-Kurs kugeln kannst, dann fühle ich mich beleidigt, klar?“, mahnte sie. „Hai, Klassensprecherin.“, gab Yuuki zurück und salutierte gespielt. Ada-chan lachte und zückte ihr Handy. „Oh, schade. Yori und Shin sind beschäftigt und haben keine Zeit mitzuessen.“, sagte sie und zeigte den anderen die Nachricht. Yuuki zuckte mit den Schultern. „Ja, schade. Aber wir haben bestimmt wann anders noch einmal die Gelegenheit, mit ihnen zusammen hier zu essen.“, hoffte er. „Itadakimasu!“ Einige Zeit später, als Yuuki gerade ein Sushi-Röllchen mit den Stäbchen hielt und dabei konzentriert versuchte, ein paar Worte aus Riku-chan herauszulocken, tauchte eine groß gewachsene Person neben ihnen auf. „Hast du dich verlaufen, Hündchen?“, fragte eine allzu bekannte, dunkle Stimme. Sofort drehte Yuuki sich um. „Yuuki Nao immer noch, oder hast du das vergessen?“, gab der Junge bissig zurück. Der Größere kam näher. „Wie könnte ich den Namen meines Freundes vergessen, Nao?“, beantwortete Seiichi Yuukis Provokation ruhig und warf sich den langen, hochgebundenen Zopf über die Schulter. Wie immer sah dieser Kerl perfekt aus. So perfekt, dass Yuuki eine Gänsehaut bekam. Das wiederum nervte ihn. Er konnte es nicht leiden, dass sein Körper nahezu automatisch derart auf diesen Schönling reagierte, also verdrehte er genervt die Augen. „So ein gutes Gedächtnis scheinst du trotzdem nicht zu haben, wenn du dafür vergisst, dass ich NICHT dein Freund bin.“ Er beschloss, den Schönling zu ignorieren und weiter das Essen mit seinen Freunden zu genießen, also hob er das Stäbchen mit dem Sushi-Röllchen an seinen Mund. Doch bevor Yuuki überhaupt wusste, wie ihm geschah, hatte Seiichi sich nach vorn gelehnt und ihm das Sushi vom Stäbchen genascht. „Hey, was soll das?“, rief Yuuki überrascht und funkelte den Älteren genervt an. Er stieß ihn ein Stück von sich weg, weil er ihm für seine Aktion wieder viel zu nah gekommen war. Unschuldig belächelte Seiichi die Reaktion des Kleineren und setzte sich uneingeladen zur Runde dazu. „Was spricht denn dagegen, wenn mein Freund mich füttert?“, fragte er scheinheilig. Er legte seine Hand auf Yuukis und spielte, seine Aussage unterstreichend, an dem Armreif. Schnell zog Yuuki seine Hand aus dem Griff. „Du spinnst, weißt du das?“, zickte er ihn an. „Wann nimmst du mir das Teil endlich ab, sonst werde ich demnächst selbst dafür sorgen. Hab' gehört, dass dieses Ding in deiner Familie doch so wichtig sein soll. Sie wären sicher sauer auf dich, wenn er kaputt ginge.“ Seiichi kniff die Augen zusammen. Sein Grinsen verschwand und machte einem bitteren, ernsten Gesichtsausdruck platz. „Das wirst du nicht tun. Es ist wahr, dass dieser Armreif meiner Familie wichtig ist. Wenn du unsere Tradition mit Füßen trittst, kann ich nicht mehr steuern, was meine Familie tut, um sich zu rächen.“ Yuuki starrte ihn entsetzt an. Sollte das eine indirekte Drohung gewesen sein? Er wollte etwas dazu sagen, aber da drängte sich schon wieder der entspannte, sanfte Ausdruck in Seiichis Gesicht. Er wirkte beinahe glücklich. Von innen heraus. „Aber falls du tatsächlich solche waghalsigen Dummheiten machst, werde ich dich beschützen.“ Yuuki sah zur Seite. „So, wie du mich vor Akira-kun beschützt hast?“, fragte er abfällig und bereute danach seine Worte sofort. Es klang wie ein Vorwurf, dass Seiichi zugelassen hatte, dass Akira-kun ihm die Narbe verpassen konnte. Aber wo ein Vorwurf ist, war auch Erwartung gewesen. Wo Erwartung sein konnte, musste Vertrauen herrschen. Hatte Yuuki trotz seiner Rebellion gegen die Verbindung zu Seiichi darauf gehofft – nein, sogar darauf vertraut – dass er ihn beschützen würde? War er enttäuscht, dass dieser Möchtegern-Samurai es zu diesem Zeitpunkt nicht getan hatte? Ganz offensichtlich hatte Seiichi mit einer solchen Antwort nicht gerechnet. Als der sonst so gefasste Senpai nicht antwortete, sah Yuuki ihn wieder an. Die Reue und der Ärger über seine Unfähigkeit in der vergangenen Situation standen ihm ins Gesicht geschrieben. „Nao, ich...“, begann er in demütigem Tonfall. Das konnte kein Schauspiel sein. Dieser Armreif schien wirklich für eine Verpflichtung Seiichis gegenüber Yuuki zu stehen. Andersherum war das wohl dann zwangsweise auch so, aber das spielte gerade keine Rolle. Seiichi litt darunter, dass er Yuuki nicht geholfen hatte. „...Du hast Recht.“, hauchte der Ältere. „Ich hätte dich...“ Ihm blieb die Stimme weg. Ein seltsames Gefühl breitete sich auf einmal in Yuuki aus. Ein Gefühl, dass ihn dazu treiben wollte, Seiichis Hand zu nehmen und ihm zu versichern, dass er für all das nichts konnte. Dieser sonst so edle, erhabene Schönling wirkte geknickt und verletzlich. Das tat zwar seinem idealen Aussehen keinen Abbruch, aber es passte nicht zu ihm. War es für ihn so schwer, dass er sein eigenes Versprechen bei der ersten Gelegenheit gebrochen hatte? Ein Räuspern riss die beiden Männer aus ihrer eigenen, kleinen Welt. „Ehmm... Verzeihung, aber...“, begann Ada-chan vorsichtig. „Ich kann nicht ganz folgen. Geht es um den Unfall von letztens? Ich habe zwar geahnt, dass Akira-kun da sicher auch wieder mitgemischt hat, aber was hat er denn angestellt?“ Letztendlich konnte Yuuki es spätestens jetzt nicht mehr verheimlichen, also erzählte er, was geschehen war. Außerdem war es ihm lieber, wenn er die Geschehnisse schilderte, als wenn er wieder verführt war, mit Seiichi zu sympathisieren. Dieser erholte sich sichtlich bei Yuukis Bericht. Er ballte wütend die Fäuste. „Dass sich dieser Idiot das überhaupt gewagt hat.“, war nur eines der Dinge, die er zwischendurch murmelte. Während Yuuki derweil weitersprach, weiteten sich Ada-chans Augen zunehmend. Vor Staunen, vor Entsetzen, vor Furcht. Riku-chan saß daneben, starrte Yuuki an und naschte ab und zu einen kleinen Bissen Reisbällchen. Wenn sie ihn, was für sie außerordentlich untypisch war, nicht konsequent ansehen würde, hätte Yuuki daran gezweifelt, dass es sie überhaupt interessierte. Aber etwas in ihrem Blick und der offenen Aufmerksamkeit verriet ihm, dass sie ihm zuhörte und sich sorgte. So, wie Ada-chan es tat, nur deutlich subtiler. Man musste sich wirklich auf die Eigenart dieses Mädchens einlassen, um sie verstehen zu können. Schließlich kam Yuuki zum Ende seiner Erzählung. Ada-chan forderte ihn auf, ihr die Narbe zu zeigen. „Lass mich sehen, was dieser Grobian mit dir angestellt hat!“, forderte sie. „Wenn ich ihn erwische, dann...“ Widerwillig knöpfte Yuuki sein Hemd ein Stück auf und entblößte einen Teil seiner Schulter. „Der Arzt meinte, dass diese Narbe vermutlich für immer bleibt.“, gab er zu und sah zur Seite. Er konnte kaum bestimmen, ob ihn die Geschehnisse wütend machten, oder, ob sie ihm peinlich waren. „Aber bitte, Adoka“, er sah das Mädchen eindringlich an, „sprich Akira-kun nicht darauf an. Und an alle, sagt es niemandem weiter. Hana-sensei hat für uns gelogen und wenn die Wahrheit ans Licht kommt, ist sie bestimmt ihren Job los.“ Damit sah Yuuki jeden einzeln an, auch Riku-chan, die vermutlich ohnehin kein Wort über die Lippen bringen würde. Aber falls doch irgendwann, dann sollte sie wissen, dass keines der Worte von diesen Vorfällen erzählten würde. Ada-chan seufzte. „Ja, okay. Aber ich behalte diesen Kerl im Auge. Ich meine, wer BEIßT denn andere Menschen? Und warum hat er das getan?“ Yuuki schloss die Augen und schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht.“ Bevor er seine Augen wieder öffnete, blitzen plötzlich einzelne Bilder in seinem Kopf auf. Er sah sich selbst, wie er im Krankenhaus lag. Und er sah Akira-kun. Er streichelte ihn. Pikste ihm auf die Wunde, doch er spürte nichts. „Für immer ist gut.“, flüsterte Akira-kuns Stimme in Yuuki Kopf. Dieser hielt sich sofort die Schläfen und ächzte auf. „Argh... Was ist das?“, rief er erschrocken aus. Er kippte zur Seite, drohte das Bewusstsein zu verlieren, doch zwei starke Arme hielten den Fall auf und zogen ihn zu sich. Sein Schädel brummte und sein Puls schlug ihm bis in die Stirn. Noch einmal knurrte Yuuki schmerzerfüllt. Wieder blitzten Bilder auf. Sie waren noch immer im Krankenhaus. Akira-kun lag neben ihm, hielt ihn fest und bettete den Kopf auf seinem. Yuuki fühlte sich sicher. Er vergrub seinen Kopf in dem Stoff, der ihm am nächsten war und hatte das Gefühl, dass es Akira-kuns weißes Krankenhaus-Shirt war, an das er sich da kuschelte. Langsam beruhigten sich sein Puls und seine Atmung. Der Schmerz verschwand und ließ einen wimmernden Yuuki zurück, der sich in den Armen, die ihn umgaben, sicherer als sonst wo fühlte. „Lass mich nicht los, hörst du?“, flüsterte er krächzend, unfähig die Augen zu öffnen. „Wenn du mich loslässt, dann falle ich.“ Die Arme um ihn schlossen sich fester um ihn. „Ich lass dich nicht los.“, hörte er Akira-kuns Stimme schwach. Aber was war das für ein tiefer Unterton? War das wirklich seine Stimme? Sie klang so anders. „Ich halte dich fest. Wenn du an meiner Seite bist, dann fällst du nicht.“, sagte die Stimme noch einmal. Akira-kun? War er das? Konnte er solche Worte überhaupt aussprechen? „Von jetzt an beschütze ich dich.“ Akira-kun? Yuuki rief den Namen in seinem Kopf, doch er erhielt keine Antwort. Es war nicht seine Stimme, die da zu ihm sprach. Das konnte sie nicht sein. Schließlich dämmerte es ihm. Er war eben nicht mehr im Krankenhaus gewesen, sondern auf dem Dach mit seinen Freunden und... Und mit Seiichi. Sofort riss Yuuki die Augen auf und schreckte zurück. Er stieß den fremden und gleichzeitig so warmen Körper von sich und saß mit einem mal kerzengerade auf dem Dach. Wie hatte ihn sein Kopf dermaßen verleiten können? Und was waren das für Bilder gewesen? Träume? Oder etwa... Erinnerungen? Jetzt, wo Yuuki darüber nachdachte, fehlten ihm einige Erinnerungen an das Krankenhaus. Er wusste, dass er irgendwann einmal aufgewacht war, aber was währenddessen geschehen war, hatte er vollkommen vergessen. Hatte er tatsächlich mit Akira-kun in einem Bett gelegen? So friedlich? Nein! Das musste ein schlechter Traum gewesen sein. Eine Halluzination. Wichtiger war gerade allerdings, dass er sich schon wieder in die Arme dieser einen anderen Person geflüchtet hatte. Diesem Kerl, der immer Probleme mit sich brachte. Die ganze Pause war so friedlich gewen, bis er aufgetaucht war. „Verdammt.“, fluchte Yuuki und hielt sich den Kopf. „Ich glaube, das alles wieder aufleben zu lassen, war zu viel für mich.“ Er rieb sich die Schläfen. Wie gerädert fühlte er sich gerade. Der Senpai neben ihm konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen. „Also ich fand es nicht schlecht, meinen Freund einmal etwas näher bei mir haben zu dürfen.“, raunte er. „Das war eine Ausnahme.“, keifte Yuuki. „Als würde ich dich an mich ran lassen.“ Seiichi lachte nur. „Das wirst du noch früh genug. Schon vergessen?“ Er deutete auf den Armreif. „Wir sind uns sozusagen versprochen und der einzige, der diesen Armreif lösen darf, ist der Älteste meines Clans. Wagst du es, ihn doch loszuwerden, dann hat dein letztes Stündlein geschlagen.“ Wie konnte dieser Mr. Wunderschön dermaßen üble Drohungen eigentlich mit einem so herzensguten Lächeln von sich geben? Dieser Kerl war gefährlich. Definitiv. Und unberechenbar. „Also ich denke...“, begann Yuuki mit seinem Protest, als ein lautes Scheppern erklang. Überrascht sahen alle in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Zu Riku-chan. Sofort waren alle Augen auf sie gerichtet. Und tatsächlich hatte sie gerade ihr Schälchen Reis lautstark auf den Fliesenboden gestellt. Wann hatte sie sich eigentlich eine ganze Schale Reis aufgefüllt? Wie viel konnte dieses Mädchen essen bei einem so zierlichen Körper?? Dann sprach sie. Es war zwar leise, aber man hörte heraus, dass sie genervt war. „Es reicht jetzt mit eurem Gezanke. Macht damit weiter, wenn wir nicht essen und ich es nicht hören muss.“, bestimmte sie und stierte die Streithähne an. Beide Schüler empfanden auf einmal den inneren Drang, sich förmlichst bei diesem Mädchen zu entschuldigen. Irgendwie war ihre Ansage beängstigend gewesen. „...Bitte.“, trottete ein letztes Wort von Riku-chan ihrer vorigen Zurechtweisung hinterher und bewirkte, dass sie wieder zu dem ruhigen, schüchternen Selbst zurückkehrte, das ihr Gesicht hinter dem lockigen Schleier verbarg und schweigend weiter aß. Überhaupt schwiegen in dem Moment alle. Selbst Ada-chan hatte diese Seite an ihrer Freundin noch nie gesehen. „Alsooooo...“, sagte sie vorsichtig und behielt das Mädchen neben sich gut im Auge. „Wa-Wann machst du deinen Abschluss, Masamoto-senpai?“, versuchte sie schließlich ein gewöhnliches Gespräch aufzubauen. Die letzten Minuten waren schon seltsam genug gewesen, selbst ohne Riku-chans Einschreiten. Außerdem könnte es ihr als Mitglied in der Schulorganisations-AG zugute kommen, wenn sie einen Draht zum König der Schule hatte. Sie hoffte, dass zumindest der Rest der Pause so gewöhnlich wie möglich verlaufen würde. So war es schließlich auch, wenn man davon absah, dass Masamoto Seiichirou mehr als einmal Körperkontakt zu Yuuki aufbaute. Mal strich er ihm zufällig über die Hand, mal knuffte er ihm in die Seite. Wenn man nicht darauf geachtet hätte, dann wäre einem kaum aufgefallen, wie unterschwellig dieser Senpai sich an den Jüngeren ran machte. Tatsächlich schien es selbst diesem nicht aufzufallen, denn Yuuki reagierte zunehmend vertrauter auf die Berührungen des anderen. Einmal hielt er seine Hand sogar fest. Mit der Zeit begannen sie sogar, sich gut gelaunt zu unterhalten. Ada-chan sah dem ganzen Schauspiel mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu. Ihr Bauchgefühl sagte ihr, dass es einem bestimmten besitzergreifenden Grobian kaum gefallen würde, was sie gerade sah. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)