Just friends von Feuerlotus (Seltsame Wege geht die Liebe) ================================================================================ Epilog: Dear Diary... --------------------- Epilog: Dear Diary... Dear Diary. Heute war ich wieder mal einkaufen, es war noch schlimmer als sonst. Die Vorbereitungen nehmen immer häufiger meinen Tagesablauf ein. Ich bin nur froh, wenn der Stress endlich ein Ende hat. Aber der eigentliche Grund, warum es heute anders war. Beim einkaufen, als sonst, ist ein anderer. Gina ist wieder in der Stadt. Ich war gerade am überlegen welches Obst ich kaufen wollte, da stand sie am Kühlfach. Sie schien irgendwie meinen Blick zu spüren, denn plötzlich schaute sie auf. Ein eiskalter Schauer lief mir den Rücken hinab und eine eisige Hand schloss sich um mein Herz, als sich unsere Blicke trafen. Als sie mich erkannte, verhärteten sich sofort ihre Züge. Es ist schrecklich, welche Wirkung sie selbst jetzt noch auf mich ausübt. Ich fühlte mich mit einemmal in die Zeit zurückversetzt, in der alles aus seinen Fugen geriet. Meine kleine, beschauliche Welt, die damals alles für mich war. Es zerriss mich fast, dass sie mich einfach so fortschickte. In der Schule begann sie sorgfältig mich zu ignorieren. Ich hatte sie nicht verlieren wollen, niemals! Selbst wenn sie mich nur als Freundin akzeptiert hätte, hätte ich das verstanden. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, etwas zu tun, was sie absolut nicht wollte. Mein Gott, selbst jetzt noch steigen mir die Tränen in die Augen. Irgendwann bin ich ja immerhin zu dem Schluss gekommen, dass es sogar okay war, wenn sie mich hasste. Aber Ignoranz? Hatte ich die wirklich verdient? Wir waren immerhin schon ewig beste Freunde gewesen. Das einzige was mich ein wenig tröstete, war dass sie sich scheinbar so weit im Griff hatte, und keine Dummheiten beging, schließlich hatte sie mir auch einmal erzählt, dass ich das wichtigste in ihren Leben war. Nur kam sie anscheinend nicht damit klar, dass sich mit der Zeit mehr aus der Freundschaft entwickelte, als sie gewollt hatte. Verdammt, hatte ich mir das ausgesucht? Wie mich das immer noch so wütend machen kann ist mir ein Rätsel, aber auch ziemlich egal... Leider wurde es mir ja auch nicht leichter gemacht. Schließlich hatte ich keinen Menschen mehr, dem ich wichtig genug gewesen wäre, um mir beizustehen. Dafür war Kah zu beschäftigt mit Elena gewesen. Als sie irgendwann gar nicht mehr auf mich reagierte stieg auch da ein Hass in mir auf. Nur gut, dass ich nicht auch noch sie getroffen habe, in diesem Laden. Macht sie nicht im Moment eine Tour mit diesem Zirkus durchs Land, der vor zwei Monaten hier war? Mandy hatte doch erzählt, die Seiltänzerin hätte es ihr so angetan. Typisch für sie, so ausgeflippte Sachen zu machen, wie einem Zirkus hinterher zu reisen. Das wird mal wieder nichts. Aber Hauptsache, ist, ich brauche sie nicht zu ertragen. Tja, aber da wäre damals noch Alex gewesen. Jaah, Alex... Schon zwei Tage nach diesem Zoff, kam sie wehleidig angekrochen. Klingelte an der Tür und schob mich ohne ein Wort hinein, als sie merkte, das ich alleine gewesen war. Und dann standen wir uns im Dämmerlicht der Flures gegenüber. Nur sie und ich. Sie schaute mich mit so unendlich traurigen Augen an. Ich weiß heute noch, dass sich bei diesem Anblick ein Kloß in meiner Kehle gebildet hatte und ich hart schluckte, ohne die geringste Verbesserung zu bewirken. Schließlich hatte ich es nicht mehr ausgehalten und zu Boden gesehen und Spinnenweben betrachtet. Meine Strähnen waren mir ins Gesicht gefallen und grenzen mein Sichtfeld, das sowieso schon von Tränen verschleiert war, noch weiter ein. Minutenlang hatten wir so da gestanden, bis ich endlich meine Stimme wieder fand. Doch als ich anfangen wollte, legte Alex mir den Finger auf die Lippen. „Bitte“, hatte sie gesagt. „Bitte lass mich aussprechen, nur dieses eine Mal.“ Das hatte sich in meinen Kopf gebrannt, wie die ganze Situation. Ich weiß es noch so genau, weil ich Angst hatte. Angst vor dem, was sie dann sagen würde. Aber mein schweigen während ich zögerte, fasste sie wohl als Zustimmung auf... Ich weiß nicht mehr, was genau sie gesagt hatte. Ich erinnere mich nur noch, dass sie sich gefühlte tausend mal entschuldigt hatte. Sie hatte gemeint ich hätte so recht gehabt... Recht womit? Aber es hatte keine rolle mehr für mich gespielt. Ich hatte meine Entscheidung getroffen. Und die war nun mal nicht zu ihren Gunsten gewesen. Ich hatte sie ausreden lassen, dabei nur halb zugehört und in die Ecke gestarrt. Lange hatte sie geredet, wobei ihre Stimme immer verzweifelter, schließlich endlos traurig geworden war. Als sie endlich fertig war, sah ich sie wieder an. Mit Tränen in den Augen, die ich aber krampfhaft zurückhielt. Sie sollte jetzt nicht sehen, wie schwer es mir fiel, sie so verzweifelt zu sehen. Sie hatte mir in die Augen geschaut und den bis dahin immer noch offen stehenden Mund zugeklappt. Bis plötzlich erkennen in ihren Augen aufblitzte. Stumm liefen plötzlich Tränen über ihr Gesicht und sie hatte sich umgedreht. Sie war noch einen kurzen Moment stehen geblieben und hatte aufgeschluchzt. In diesem Moment war meine letzte Willenskraft wie Glas zersprungen. Das konnte nicht sein. Die starke Alex weinte! Ich wollte sie in die Arme nehmen und trösten. Da drehte sie sich abrupt um, hauchte mir einen Kuss auf die Lippen und war im nächsten Augenblick aus der Tür verschwunden. Wie versteinert hatte ich dagestanden. Gedanken wirbelten in meinem Kopf herum, so dass keiner wirklich zu fassen war. Eine Leere hatte sich in mir ausgebreitet. Und ich hatte einfach nur dagestanden und auf die Tür gestarrt. Erst als meine Eltern eine Stunde später nach Hause gekommen waren, kehrte die Wirklichkeit zurück und drohte mich in einer Welle mitzureißen. Ich war auf mein Zimmer gegangen und hatte versucht, nie wieder an irgendetwas zu denken oder etwas zu fühlen. Später wurde mir klar, dass ich in dem Augenblick, als Alex mir den Rücken zudrehte, ich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hätte, nur um sie noch einmal glücklich zu sehen und so in Erinnerung behalten zu können. Wäre sie auch nur zwei Sekunden länger geblieben, hätte es mit uns beiden völlig anders ausgehen können. Jetzt konnte ich nicht mehr zurück. Es war zu spät. Manchmal bereue ich noch heute, das Alex nie erfuhr, was ich in diesem Moment gefühlt hatte. Ja, manchmal hatte ich mich gehasst, dass ich mich für Gina und nicht für sie entschieden hatte. Das einzige was mich davon Abhält, mich noch heute zu hassen, ist, dass ich weiß, das ich auch so glücklich werden kann, ohne die vielleicht größte Chance meines Lebens wahrgenommen zu haben. Was die Zukunft mir letztendlich bringt, weiß ich nicht. Manchmal tausche ich mich noch über solche Gedanken mit Ricky aus. Heute ist er ein geachteter Designer, endlich den Fängen seiner Eltern entflohen und kann sogar normal reden. Tiefsinnig ist er heute noch. Ich glaube er hatte schon sehr früh geahnt, wie das alles ausgehen würde. Aber jetzt wird er von einer unbändigen Energie angetrieben, die zweifellos durch die zweijährigen Zwillinge entfacht wurde. Er ist wohl der einzige Freund, der mir später noch erhalten blieb. Auch wenn ich ihn erst versucht hatte zu ignorieren, war er mir immer loyal. Dafür bin ich ihm immer noch Dankbar. Ich habe nicht vor jetzt noch lang über die Vergangenheit zu sinnieren, die mir nichts wirklich gutes zu bieten hatte. Mit dieser Niederschrift heute, werde ich sie versiegeln, wer weiß, vielleicht verbrenne ich ja dieses Buch... Nach sieben Jahren will ich endlich vergessen dürfen. Das einzige, was ich immer noch nicht verstehe, ist warum Gina ausgerechnet heute auftauchen musste. Fünf Tage vor meiner Hochzeit mit Sven. Sven, der nie etwas zu meinem damaligen Gefühlen zu ihr erfahren hat und nie erfahren wird, dass ich zu unserer Anfangszeit noch manchmal an Alex dachte und sehr vermisste. Die einzige Freundin, die mich so genommen hatte, wie ich wirklich war... Meine einzig wahre Freundin, die ich jemals hatte. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Die ganze Zeit über hatte ich schon einen Tagebucheintrag oder einen Brief in eine Geschichte einbauen wollen. Jetzt hat es endlich geklappt! Ich fand das jetzt sehr passend, weil Vera endlich mal richtig offen sein konnte und mit nichts hinterm Berg halten musste. Es tut mir für die Leid die sich so sehr einen "Happylog" gewünscht hatten, aber der hätte so nicht hingepasst... Der Epilog war die ganze Zeit über schon so geplant gewesen, das er ein paar Jahre später spielte... Ich hoffe ihr hattet trotzdem Spaß am Lesen und bleibt mir noch ein bisschen treu!^^ Danke das ihr bis zum bitteren Ende durchgehalten habt! *knuddel* Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)